Piraten-Pitty

Auf dieser Seite stellen wir euch 3 Ausschnitte des Buches „Piraten-Pitty“ zur Verfügung. Das Buch wird voraussichtlich ab April 2010 im Deutschen Buchhandel erhältlich sein.

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Liebe Eltern!

Lesen Sie zur das kleine Exposé zum Buch.

Gleich darauf folgen die Auszüge.

Exposé des Buches

Das 1. Buch richtet sich an Kinder ab 10 Jahren.

Auch die Folgebände sollen Kinder ab dieser Altersstufe ansprechen.

Piraten-Pitty unternimmt mit 4 Freunden/Freundinnen eine fiktive „Kaperfahrt“.

Ausgangspunkt ist die Nordsee. Die Reise führt durch den Ärmelkanal in den Atlantik bis Gibraltar.

Die „Prise“, also den Schatz, den die Kinder erbeuten, ist „Wissen“.

Im Wechsel von Überliefertem, Sagen, Fantasie und Sachwissen in den Bereichen Geografie, Geschichte und Mathematik soll das Interesse an den angesprochenen Themen geweckt werden. Die Kinder sollen aufgefordert werden, Fragen zu stellen.

Daher geht es in diesem Buch nicht nur um Piraten, sondern um Rechnen, ein wenig Länderkunde, um geschichtliche Themen wie die Invasion der Alliierten im 2. Weltkrieg, um die wiederkehrenden Auseinandersetzungen zwischen England, Frankfreich und Spanien, kurze geschichtliche Abrisse der Eroberung der Iberischen Halbinsel und Reconquista.

Zwischendurch sind die Kinder immer wieder aufgefordert, zu handeln. (Rechnen, Seemannsknoten schlingen, Silbenrätsel lösen (noch nicht enthalten), sich auf Karten zu orientieren.

Weitere Absicht es Buches ist es, das Gedächtnis zu trainieren. Daher umfasst es sogenannte Kaperkarten. Aufgrund richtig beantworteter Fragen sammeln die Kinder „Edelsteine“, die sie in ihrer Schatztruhe horten können. Dabei kann allein, in der Gesamtgruppe oder in Teams gespielt werden.

Im Folgeband sollen die Korsaren des Mittelmeeres, die Kreuzzüge, Mythen und Sagen des Mittelmeerraumes, Geschichten aus 1001 Nacht sowie die asiatischen und afrikanischen Karawanen tehmatisiert werden..

Nach und nach soll - diesem Konzept folgend, eine Reise um die Welt entstehen.

Zunächst das gesamte Inhaltsverzeichnis

© der Texte by Jürgen Beckmann

[Start]

Und jetzt muss ich euch noch meine Eltern vorstellen

Mein Vater ist ein Vertreter. Ein Vertreter ist ein Mann, der für eine Firma die Dinge verkauft, die die Firma produziert. Mein Vater verkauft für eine Firma Fußbälle. Aber ich habe vergessen, für welche Firma. Ist auch egal. Die Fußbälle sind prima, und ich spiele gerne damit.

Mein Vater hat einen Bauch, der sieht so aus, als würde darin auch ein Fußball stecken. Er behauptet aber steif und fest, dass das nicht stimmt.

Einmal, bei schönem Wetter, als er auf dem Rasen in der Sonne schlief, habe ich versucht, es heraus zu bekommen.

Mit einer Pumpe bin ich zu ihm gegangen, habe die Spitze auf seinen Bauchnabel gehalten und gepumpt. Er ist aber nicht dicker geworden.

Wegen der kalten Luft aus der Luftpumpe hat eer sich ziemlich erschreckt.

Später habe ich ihn gefragt, ob ich auf seinem Bauch mit Wasserfarbe ein Fußballmuster malen darf. Und - was glaubt ihr? Was hat er gesagt? Ja genau! Ich durfte. Während ich malte musste er die ganze Zeit lachen, weil der Pinsel so sehr kitzelte, und deswegen ist das Fußballmuster nicht so ganz gut geworden.

Am nächsten morgen hat er geduscht, und da war die ganze Arbeit für die Katz´..

Manchmal kann er auch ganz schön streng sein. Zum Beispiel, wenn ich noch nicht schlafen will. Habt ihr das bemerkt? Ganz schön streng. Könnt ihr mir sagen, was schön daran ist, wenn jemand streng ist? Aber man sagt das wohl so.

Ganz schön gruselig,

ganz schön streng,

das dauert ganz schön lang,.

das ist aber ganz schön blöd,

das schmeckt ganz schön scheußlich.

Wenn ich weiter darüber nachdenken würde, fiel mir sicher noch vieles ein. Aber ihr könnt ja schön selbst überlegen. Es wäre ja schön blöd, wenn ich nur allein überlege.

Mein Vater ist schon ganz schön alt. 35 Jahre. Das ist dreieinhalb mal so alt wie ich. Ich habe das ausgerechnet. Aber wie ist das jetzt eigentlich?

Ihr müsst mir vielleicht ein bisschen helfen, weil ich manchmal ganz durcheinander komme.

Also: Ich erzähle euch mein Problem:

Ich bin jetzt 10 Jahre alt.

Mein Vater ist jetzt 35.

Wenn ich 20 Jahre alt bin, also doppelt so alt wie heute, ist mein Vater dann siebzig?

Denn nur dann, wenn er siebzig ist, ist er in 10 Jahren auch doppelt so alt wie heute.

Manchmal bringen mich diese Zahlen noch durcheinander. Aber es wird immer besser.

Ich habe mir noch etwas überlegt: Eben habe ich ja gesagt, dass ich ausgerechnet habe, dass mein Vater dreieinhalb mal so alt ist wie ich. Wenn ich 20 bin, und er bleibt immer dreieinhalb mal so alt wie ich, dann ist er drei mal 20 Jahre und dazu noch die Hälfte von zwanzig Jahren. Also noch einmal 10 Jahre zu 60 Jahren. Da kommt dann wieder siebzig raus.

Oder gibt es noch eine andere Lösung?

Meine Mutter hat bestimmt keinen Fußball im Bauch. Da bin ich mir ziemlich sicher. Oder die Luft ist ´raus. Das kann natürlich auch sein. Sie ist auch keine Vertreterin für Fußbälle. Meine Mutter arbeitet in einem Schönheitssalon. Sie schneidet anderen die Finger- und Fußnägel und sticht „Hühneraugen“ aus.

Jetzt denkt nur nicht das falsche. Natürlich sticht sie nicht echten Hühnern die Augen aus. Oder habt ihr schon einmal gehört, dass ein Huhn in einen Schönheitssalon geht, um sich dort die Augen ausstechen zu lassen. Das sähe dann sicher nicht schöner aus. Das wäre auch Tierquälerei.

Die Hühneraugen, die meine Mutter herausholt, wachsen den Leuten manchmal an den Füßen oder Zehen. Sie sind wie kleine schwarze Dornen und drücken oder stechen. Ich will keine solchen Hühneraugen haben. Und richtige natürlich auch nicht.

Meine Mutter kann auch manchmal ganz schön streng sein. Wie mein Vater. Die zwei sind sich immer einig darüber, wann ich ins Bett gehen soll, obwohl sie sich sonst auch manchmal streiten.

Vermutlich haben sie deswegen geheiratet, weil sie sich immer einig sind, wenn sie mir etwas befehlen.

Meine Mutter ist 32 Jahre alt. Und da ist es mit dem Rechnen noch schwieriger als bei meinem Vater. Darum will ich euch jetzt nicht damit belästigen. Und mich auch nicht. Ich bin ja schließlich nicht hier, um mit euch Schulaufgaben zu machen.

Jetzt wisst ihr schon ein bisschen von meinem Vater, meiner Mutter, Murmel und mir.

In der nächsten Zeit kommen noch ein paar Leute dazu.

Die brauche ich jetzt noch nicht zu beschreiben. Das kommt schon noch.

Der Grund, warum ich hier bin, ist ja der, euch zu erzählen, warum ich nicht mehr Sängerin werde oder Schneiderin.

Es ist nämlich etwas passiert. Vor genau 21 Tagen. 21 Tage sind genau 3 Wochen. Und in 3 Wochen - in den Sommerferien - habe ich es geschafft, eine Ausbildung zum Piraten zu machen. Ach ja, natürlich - ich bin eine Piratin. An der Wand neben meinem Bett, an dem blutroten Segel, hängt ein Zeugnis in einem goldenen Rahmen. Das ist mein Piraten-Zertifikat.

Ich kann euch nur raten: Macht diese Ausbildung auch. Zugegeben: Es ist anstrengend, Piratin oder Pirat zu werden. Denn ein Pirat muss sehr viel wissen und können. Es reicht nicht aus, schaurige Lieder zu singen und furchteinflößend zu lachen. Das lernt man ziemlich schnell.

Was ich in drei Wochen alles lernen musste und konnte, habe ich aufgeschrieben. Und ich habe mir vorgenommen, es möglichst vielen zu erzählen.

Es wäre doch ganz schön blöd, wenn ich alles für mich behielte, oder?

[Start]

Bluebeard erzählt

„Jetzt will ich euch mal erzählen, wie es zu meiner Zeit bei den Piraten zuging.. Gegrillte Forellen, Nudeln mit Ketchup, eine bequeme Matratze, immer frisches Wasser, als Strafe nur abwaschen und Deck schrubben… HOHOHO.“

Das Lachen dröhnte und klang schrecklich.

Hört jetzt gut zu.

Wenn wir Seeleute früher arbeitslos waren, heuerten wir häufig auf Piratenschiffen an.

Wir waren immer ganz leicht zu erkennen, denn wir benutzten viele Ausdrücke, die die Leute an Land (die Landratten) nicht benutzten. Zudem hatten wir oft einen schwankenden Gang, trugen blaue Jacken und Leinenhosen. Häufig war unsere Haut sehr vernarbt.

Die meisten von uns arbeiteten vorher auf Handels- oder Kriegsschiffen.

Aber gerade auf den Kriegsschiffen war der Dienst oft unerträglich hart. Und daher dachten viele, als Piraten freier zu sein. Auch den „Verdienst“ auf einem Piratenschiff, so hofften wir, sei besser.

Manche Leute wurden auch gezwungen, auf einem Piratenschiff mit zu fahren. Denn man brauchte immer Zimmerleute und Ärzte.

Wir brauchten immer Stützpunkte an Land, um neue Mannschaften zusammen zu suchen, Proviant einzulagern oder unsere Schiffe zu reparieren.

In diesen Stützpunkten herrschten Gesetze, die wir uns selbst gaben.

Die Schiffe, die wir benutzten, umd andere Boote zu kapern, stahlen wir vorher selbst.

Waren die gekaperten Schiffe besser, tauschten wir sie aus.

Um Boote zu reparieren oder von Muscheln und Algen zu befreien, liefen wir immer flache Buchten an, die aber sehr versteckt sein mussten.

Und wie sah das Leben auf so einem Boot nun aus?

Harte Arbeit, strenge Regeln, mieses Essen und wenig Platz… und dreckig war es immer.

Es war schwierig, ein Schiff richtig auf Kurs zu halten. Wir hatten einen Kompass, die Sterne und schlechte Seekarten.

Dauernd fielen Reparaturen an.

Der Kapitän hatte das Kommano über das gesamte Schiff.

Er wurde von der Besatzung gewählt und konnte auch von ihr abgesetzt werden.

Der Quartiermeister musste für Ordnung sorgen.

Der Schiffskoch hatte für die Mahlzeiten zu sorgen.

Vor der Reise beschlossen wir, wohin es gehen soll.

Es wurden auch Regeln festgelegt, die an Bord galten.

Für den Fall, dass jemand gegen diese Regen verstieß, beschlossen wir von vorn herein Strafen.

Zusätzlich beschlossen wir, wie die Beute aufgeteilt werden sollte und wie jemand entschädigt wurde, der im Kampf so schwere Verletzungen davon trug, dass er nicht mehr weiter Pirat sein konnte.

Diese Regeln mussten wir immer alle unterschreiben.

Zwischen den Überfällen wurde viel Rum getrunken und Karten gespielt.

Das Essen war fast immer schlecht. Es gab ja keine Kühlschränke. Wir aßen meistens Zwieback und Dörrfleisch. Nach kurzer Zeit stank das Wasser, und Würmer und Maden tummelten sich darin.

Ratten bevölkerten den Laderaum und das Deck.

In Zeiten langer Flauten aßen wir manchmal sogar unsere Lederkleidung.

Dabei fielen dann oft die letzten Zähne aus, denn viel von uns bekamen Skorbut, weil wir keine Vitamine hatten.

Hin und wieder hatten wir ein Schiff, auf dem wir lebende Tiere mitnehmen konnten. Dann war die Ernährung besser.

Geschlafen haben wir meistens in Hängematten. Auf dem Boden ging das nicht. Wegen der Feuchtigkeit und den Ratten.

Frauen fuhren auf Piratenschifffen nicht mit. Nur manchmal schlichen sich welche in die Mannschaft ein - als Männer verkleidet.

Zwar gab es auf vielen Piratenschiffen Kanonen, aber wir versuchten immer, ohne sie auszukommen. Die Gefahr, dass Schiff zu beschädigen, war zu groß.

Zum Kapern benutzten wir hauptsächlich Enterhaken, Entermesser und Beil, Degen, Musketen und Pistolen.

Eine schwarze Piratenfahne mit Totenkopf und gekreuzten Knochen mussten wir natürlich auch haben.

Bevor ich Seeräuber war waren die Fahnen allerdings meistens blutrot und wurden „Jolly Roger“ genannt. „Jolly Roger“ kommt von „Jolly Rouge“. Das ist Französich und heißt „Schönes Rot.“

Jetzt glaubt aber nur nicht, dass wir etwa viel Gold, Silber und Edelsteine erbeuten konnten.

Meistens bestand die Beute aus Lebensmitteln, Gewürzen, Früchten, manchmal Waffen usw.

Diese Beute, die wir „Prise“ nannten, wurde so aufgeteilt, wie es vor der Reise festgelegt wurde.

Sklaven haben wir nie erbeutet. Aber ich weiß es von anderen Piraten. Die haben sie dann verkauft.

Für die Besatzung des gekaperten Schiffes verlangte man Lösegeld oder zwang sie, auf dem eigenen Piratenschiff zu arbeiten. Bei nächster Gelegenheit wurden sie dann meistens verkauft.

Irgendwann kam die Zeit, in der die Piraterie überall stark bekämpft wurde. Fast alle Piraten wurden gefasst und landeten entweder im Gefängnis oder wurden zum Tode verurteilt.“

Während Bluebeard erzählte hatten alle ihre Arbeiten liegen gelassen. Deshalb saß jetzt Fischer-Fredy am Ruder und sorgte dafür, dass das Boot auf Kurs blieb. Der Wind, der in der Nacht die ganze Zeit von achtern, also Osten blies, hatte gedreht und kam uns jetzt von Nordwesten schräg entgegen. Daher mussten wir nun helfen, dass Segel neu auszurichten und Fredy korrigierte mit dem Ruder.

[Start]

Der Wattwatz

Ich kann nicht sagen, wie lange wir geschlafen hatten. Aber es kam mir so vor, als seien wir alle im gleichen Augenblick aufgewacht. Es muss ein dumpfer Schlag gewesen sein, der uns aus dem Schlaf gerissen hatte. Gleichzeitig waren wir auf den Beinen.

Ich warf einen Blick zu Bluebeard hinüber, aber der saß unbeweglich an eine Kajütenwand gelehnt und schnarchte laut.

Dann polterte etwas auf Deck. Erschreckt blickten wir in die Richtung. Ein Wasserschwall kam uns entgegen. Das Wasserfass rollte auf uns zu. Sehr viel konnten wir nicht sehen. Wo war Fischer-Fredy? Ah - es sah so aus, als hielte er das Ruder.

Hinter dem Wasserfass bewegte sich etwas. Dann sprang es auf. Es war klatschnass, hatte riesengroße Entenfüße und eben solche Hände. Füße und Hände waren blutrot. Der Körper war glänzend schwarz und das Haar war grün und hing wie lange Algen vom Kopf herunter.

Wenn das Ding einen Schritt ging, hörte man immer ein „Quatsch, Quatsch.“

Niemand von uns brachte ein Wort heraus. Wir standen da wie angewurzelt. Fredy konnte das Ruder natürlich nicht los lassen. Aber das Bluebeard in aller Ruhe schlief, war unverschämt. Der sah nicht so aus, als wolle er mit seinem Degen die Mannschaft verteidigen.

„Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich euch eingeholt habe“, zischelte die Stimme aus dem schwarzen Körper. Gestern Vormittag seid ihr in meinem Reich herumgewandert. Ich kann diese Störungen nicht leiden. Leider ist niemand in das Schlickloch getreten, in dem ich mich versteckt hatte. Deshalb konnte ich keinen von euch zu mir hinabziehen. Hätte ich aber gerne getan, weil ich einen brauche, der für mich Plattfische fängt, die ich am liebsten roh verspeise. Mit Gräten. Das knackt so schön. - Wer kommt freiwillig mit?“

Das war also der Wattwutz. Er kam einen weiteren Schritt auf uns zu. Quatsch - Quatsch. Unheimlich hörte sich das an in der Stille, die nur von Bluebeards Schnarchen unterbrochen wurde.

Mein Herz hämmerte. Was sollten wir tun. Bluebeard durch lautes Gebrüll wecken und damit Feigheit beweisen.

Ich glaube, jeder überlegte fieberhaft, wie der Wattwutz zu überlisten wäre.

Noch ein Schritt. Quatsch - Quatsch…

Es würde nicht mehr lange dauern, bis er den Fliegenden Fisch erreicht hatte.

Quatsch - Quatsch …

Und dann packte er ihn auch schon am Arm und wollte ihn über Bord werfen.

Doch da hatte Wattwutz die Rechnung ohne Jakob bemacht.

© by Jürgen Beckmann

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Erstellt: 15.10.2009 14:47   Aktualisiert: 18.10.2009 16:12
Autor: Beckmann