Der Goldfisch. 1

Angeln. 8

Berufswahl 8

Der Mittagsschlaf 9

Der Goldfisch

 

Ein wunderschöner Tag im späten Frühling. Der Himmel war himmelblau. Die Sonne strahlte, aber brannte noch nicht. Die Ozonwerte lagen im Normalbereich, so daß keine witterungsbedingten Fehlleistungen der

durchschnittlich entwickelten und ausgereiften Sinnesorgane der in diese Geschichte verwickelten Menschen zu befürchten waren.

Dies zu wissen ist wichtig, denn wohl würde der durchschnittlich realistische Leser - respektive die nicht minder realistische Leserin - geneigt sein, den folgenden Ausführungen keine Beachtung zu schenken, hätte es sich um einen Tag gehandelt, an dem das Sengen der Sonne

teererweichend und der strömende Schweiß der sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln drängenden Menschen zu allgemeinem Naserümpfen, ja eventuell zu Übelkeit und später zu Brechreiz geführt hätte.

 

Hans Finkenschlag ging am Morgen dieses Tages in Richtung Tram. Es war gegen 11.00 Uhr. Fröhlich pfeifend nahm er wahr, das eine Bahn, die er hätte benutzen können, an ihm vorbeifuhr, kurz bevor er den Haltepunkt erreichte. Weder unterbrach er sein sein Trällern, noch beschleunigte er seinen Schritt, um das Gefährt - zuletzt womöglich laufend und aus dem

letzten Loch pfeifend - doch nicht mehr zu erreichen.

Hans Finkenschlag fragte sich, ob er - so frohgemut und zufrieden – nicht die Inkarnation der Glückseligkeit sei. Durch diese Überlegung nahm seine Selbstsicherheit derart zu, daß zunächst sein Pfeifen lauter wurde, und

als er sich vorstellte, daß er nun gen Himmel aufsteigen und die Straßenbahn sowieso nicht benutzen müßte, begann er laut zu singen:

 

"Mein Name ist Hans Finkenschlag.

Ich fliege dann, wenn ich es mag.

Wer weiß, nähm ich die Straßenbahn,

vielleicht käm' ich dann gar nicht an..."

 

Dazu wedelte er mit den Armen, und fast sah es aus, als würde er tatsächlich schweben.

 

An der Haltestelle angekommen, schaute er sich vergnügt um. Einige andere Fahrgäste, die er vom Ansehen - manche sogar von kurzen Wortwechseln - kannte, warteten außer ihm auf das Beförderungsmittel, welches er

irgendwie doch lieber benutzen wollte als die eigenen "Flügel".

 

Und da kam sie auch schon - auf "leisen Sohlen" - angeschlichen. Das Einsteigen nahm etwas mehr Zeit in Anspruch als sonst, denn jeder Mensch wollte einem anderen Menschen Vortritt lassen. Ja, es war ein Tag, da man Mensch sein konnte.

 

Und dann gingen die Türen der Bahn zu. Und dann fuhr die Bahn los. Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf.

 

Kaum hatte Hans Finkenschlag seinen Fahrschein entwertet faßte er das "Ping" des Automaten als eine Aufforderung auf, die Karte immer wieder in den Schlitz zu stecken und sich das "Ping - Ping - Ping" zu holen. Weiß Gott, was er sich dabei dachte. Jedenfalls stand er vor der kleinen Maschine und jubilierte "Gimmi 'n ping... gimmi 'n ping..." Er geriet so recht in Extase, und da sich niemand an seinem Tun störte, machte er weiter, bis plötzlich...

 

...eine Fee vor ihm stand.

 

Alle hatten Hans Finkenschlag genau beobachtet. Manche hatten bei sich gedacht:

"Der hat heute besonders gute Laune..." oder "Hasch mich, ich bin der Frühling..." oder "Gut, das es nicht regnet..." oder was man sonst so denkt, wenn man in der Straßenbahn sitzt und ständig "Ping" hört.

 

…stand also die Fee da und sagte mit freundlicher Stimme, laut und deutlich:

 

"Guten Morgen, Hans Finkenschlag."

"Guten Morgen, schöne Fee." antwortete Hans ebenso freundlich und ebenso hörbar, ohne Erstaunen zu zeigen.

"Kann schon sein," dachte er, "daß diese bezaubernde Dame schon die ganze Zeit neben mir stand und ich sie bei meinem Automatenspiel bis jetzt übersehen habe."

"Aber woher kennt sie mich", fragte er sich doch. Ganz leise.

 

Für alle im Wagen konnte leicht der Eindruck entstehen, als würden sich die beiden schon über einen längeren Zeitraum kennen. So vertraut wirkte alles.

 

Die Fee, die jetzt in der Straßenbahn stand, sah so aus, als gehöre sie eher auf eine Hochzeitskutsche.

 

"Nun, Hans, ich bin gekommen, dir 3 Wünsche zu erfüllen. Und ich habe dich ausgewählt, weil du zur Zeit der glücklichste Mensch auf der Welt bist."

 

"Wie meinen Sie das?"

 

"Ich meine es so: Du darfst 3 Wünsche äußern, und ich erfülle sie Dir."

 

"Drei???"

 

"Wohl weniger, aber höchstens drei Wünsche." entgegnete die Fee.

 

Und alle Fahrgäste hörten es.

 

"Du hast Zeit bis zur Endstation."

 

Und unser Hans dachte sich: "Das ist ein schönes Spiel an einem solchen Morgen" und dann fragte er:

 

"Wenn es so ist, dann handelt es sich bei Ihnen wirklich um eine Fee?"

 

"Richtig."

 

"Und es ist ein wunderschöner Morgen. Wenn ich drei Wünsche frei habe, dann muß es sich bei Ihnen um eine gute Fee handeln."

 

"Hm", machte die Fee. "Ich kenne die Bedeutung von Gut und Böse nicht."

 

"Wie auch immer - ich muß mir jetzt 3 Wünsche überlegen..."

 

In der Straßenbahn war es mucksmäuschenstill. Der Fahrer sah sich immer wieder um, weil das ganze Gespräch gleich hinter ihm stattgefunden hatte.

Die Leute hatten sich vorn bereits zusammengedrängt, um besser sehen und verstehen zu können.

 

Hans sah sich um. Er war nicht in der Lage, sein Leben Revue passieren zu lassen, um herauszufinden, welche Wünsche er sich sinnvollerweise erfüllen lassen solle. An seinem geistigen Auge zog immer wieder der schöne Morgen vorbei, der Weg zur Tram, das Beinahe fliegen können und das "Ping...Ping" und alles.

 

Und dann waren sie an der Endstation.

 

Der Fahrer rief: "Endstation, alles aussteigen".

 

Doch alle blieben.

 

Auch die Fee.

 

"Wenn dir kein Wunsch einfällt, so lautet mein Auftrag, dir ein Geschenk zu machen. Denn anscheinend, lieber Hans, bist Du sehr bescheiden..."

 

…ging zuerst ein Raunen durch die Menge, und kurz darauf redeten alle durcheinander. Alle riefen Hans zu, was er sich wünschen sollte.

 

Da hörte man das übliche wie "Geld!" "Gesundheit!" "Ein langes Leben!",  aber auch "Wünsch Dir doch dreimal Drillinge!"

 

Man meinte es gut mit ihm und manchmal auch nicht.

 

Hans verunsicherte dies noch mehr, und er war froh, als die Fee wieder ihre Stimme erhob.

 

"Willst Du ein Geschenk von mir?"

 

"Ja, gern."

 

"Dann nimm dies als Geschenk!"

 

Sie hielt jetzt ein etwa 75 cm langes Tier in der einen Hand, welches verblüffende Ähnlichkeit mit einem riesigen Goldfisch hatte. In der anderen Hand hielt sie einen Stock.

 

Dann sprach sie:

 

"Nimm diesen leblosen Goldfisch in die linke, den Stab in die rechte Hand. Halte den Goldfisch am Schwanze und den Stab an seinem dicken Ende."

 

Hans nahm den Fisch und den Stab, wie ihm geheißen.

 

"Und nun klopfe mit dem dünnen Ende auf den Kopf des Fisches. Daraufhin wird Gold aus seinem Maul fallen. Aber bedenke, das das alles nur solange und nur in dieser Straßenbahn funktioniert, wie der Fisch heil ist. Reißt

dem Fisch eine Flossee ab oder zertrümmerst Du ihm den Kopf, ist es vorbei mit dem Goldsegen."

 

Hans klopfte.

 

In diesem Augenblick fiel aus dem offenen Maul des Fisches ein Goldstück.

 

Gleichzeitig war die Fee verschwunden.

 

Hans klopfte erneut.

 

Wieder ein Goldstück.

 

Er starrte auf den Boden der Straßenbahn.

Dann klopfte er noch einige Male.

 

"Das glaub' ich nicht. Ich traue meinen Augen nicht.

Kneif mich mal jemand..."

 

Und ehe Hans überhaupt begriff, was geschah, bückten sich einige und hoben die Goldstücke auf und steckten sie in ihre Tasche.

 

Von hinten wurde gedrängelt, und jeder versuchte, so dicht wie möglich an Hans heran zu kommen. Auch der Fahrer stand da. Eigentlich hätte er längst wieder losfahren müssen.

 

Hin und wieder stiegen weitere Fahrgäste ein, die von der Vorgeschichte nichts mitbekommen hatten und sich nun erzählen ließen, was geschehen war. Die Befragten taten dies sehr ungern, bedeutete es doch weitere Konkurrenz bei der Jagd nach einem Stück Gold.

 

"Mach die Türen zu," hörte man plötzlich jemanden rufen.

 

Der Fahrer schloß die Türen, so daß niemand mehr zusteigen konnte.

 

Drei Leute hielten jeweils einen Stempelautomaten besetzt. Wie besessen steckten sie die Fahrkarten hinein, um ein ständiges "Ping...Ping...Ping" zu erzeugen.

 

"Geben Sie mir eine neue Fahrkarte..."

 

Der Fahrer gab eine Fahrkarte heraus.

 

"2 Euro 10," brummte er.

 

"Später, später..."

 

Hans hatte aufgehört zu klopfen und grübelte, wie denn nun auch er an die eigentlich ihm rechtmäßig zustehenden Goldstücke gelangen könnte.

 

"Nun klopf schon weiter..."

"Mach schon..."

"Geizkragen..."

hörte man es von überall.

 

Die Leute an den Entwertern droschen inzwischen ungeduldig auf die Automaten ein, aber keine Fee kam zum Vorschein.

 

"Wenn Du nicht weiterklopfen willst, klopfe ich.."

sagte eine Stimme gleich neben Hans, und ehe er sich's versah, war er Fisch und Stock los.

 

Der andere klopfte, aber nichts passierte.

 

Er klopfte immer heftiger.

 

"Sei vorsichtig.!" riefen einige.

"Es funktioniert nur bei ihm!", schrien andere.

"Gib ihm den Fisch wieder!"

 

Widerwillig rückte er den Fisch an Hans heraus.

 

Dann entdeckte jemand, daß es in der Straßenbahn nur eine Frau gab.

 

"Das ist die Fee...", und vier Mann stürzten sich auf sie und kreischten:

 

"Her mit den Fischen!"

"Einen für jeden!"

"Oder sollen wir ein bißchen auf dir herumklopfen?"

 

Hans hatte wieder angefangen, den Fisch zu "behandeln".

Vorhin war er noch wunschlos glücklich gewesen, und nun wollte er nurnoch die Taschen voller Gold haben und dann den Fisch zerreißen und dann

verschwinden.

Darum rief er, schon fast überschnappend:

 

"Jetzt stopft mir erstmal jemand die Taschen voll, bis nichts mehr paßt. Dann klopfe ich wieder für Euch. Wenn ihr es nicht tut, hat es sich ausgeklopft."

 

Er klopfte.

 

Niemand  hob das Gold auf.

Niemand  stopfte es ihm ihn die Tasche.

 

"Was ist nun?"

 

"Wer soll es dir in die Taschen stopfen?"

 

"Ist mir gleich."

 

"Ich mach es," erklärte sich ein dicker Herr bereit.

 

Hans klopfte schneller als ein Specht."

 

"Der hamstert für sich. ich hab's genau gesehen."

 

"Das stimmt. Der Dicke schiebt sich was in den Ärmel."

 

Vier kräftige Hände packten ihn und schoben ihn nach hinten.

 

Die Frau hatte auch nach heftigem Draufklopfen keine Fische mehr rausgerückt, und man hatte von ihr abgelassen.

 

"Also, macht ihr mir jetzt die Taschen voll?"

Hans klopfte wieder einige Male.

 

Wieder bückte sich niemand.

Nichts bewegte sich. Sehr lange Zeit.

 

"Der Fisch beginnt zu stinken", rümpfte jemand die Nase.

 

"Mach die Tür auf!" riefen einige.

 

Keiner hatte nach draußen gesehen.

 

Alle hatten das, was außerhalb der Straßenbahn geschah, ignoriert.

 

"Die Tür bleibt zu," rief ein anderer.

 

Die Straßenbahnen hatten sich gestaut, und es gab hunderte von Schaulustigen, die alle nicht verstanden, was vor sich ging.

 

"Nun sorg' dafür, das die Leute hier wegkommen," raunzte Hans den Fahrer an.

 

"Was zahlst du denn?"

 

Die Luft wurde immer dicker, die Stimmung immer gereizter, der Fischgeruch immer intensiver, und dann holte jemand Hans die wenigen Goldstücke wieder aus der Tasche, die der Dicke ihm hineingesteckt hatte.

 

Als Hans dem Fisch erneut auf den Kopf klopfte, riß der Schwanz ab.

 

"Er hat ihn kaputtgemacht, damit er uns nichts mehr..."

 

Der Satz war noch nicht zu Ende, da stürzten alle durcheinander.

 

Einige zerrten an Hans und klopften heftig auf ihm herum, andere versuchten ihr Glück doch noch einmal am Entwerter, weitere versuchten es im Guten und im Bösen mit der einzigen Frau.

 

Durch das Geschrei hatten die Zuschauer draußen mitbekommen, daß das Wichtigste ein Fisch sei, und als der Fahrer nun doch die Türen öffnete, weil das Geruchsgemisch unerträglich geworden war, stürzte Hans, der seines Fisches und Stockes noch habhaft war, als erster hinaus. Die Meute fiel über ihn her.

 

Alle wollten ein Stück des Fisches, und Hans konnte von Glück sagen, daß er nicht selbst zerrissen wurde.

 

Der Heimweg zog sich lang und war beschwerlich, denn die "Flügel" waren ihm lahm.

 

Eines war für ihn sicher. Nie wieder würde er eine Straßenbahn benutzen. Und nie wieder würde er sich irgendwo ein "Ping" geben lassen. Nie wieder würde er wunschlos glücklich sein. Denn er hätte sich alles gewünscht, aber sicher keinen "Goldfisch".

Wenn er nun einer Fee begegnen würde, wäre sein erster Wunsch wahrscheinlich, das sie verschwände.

 

Am nächsten Morgen ging Hans seinen Weg zu Fuß. Er war übel drauf undschimpfte vor sich hin, denn es regnete in Strömen. Hätte das gestrige Erlebnis nicht stattgefunden, wäre er mit der Tram gefahren.

 

Die erste Fußgängerampel war rot, und Hans hämmerte wie ein Irrer auf dem Drücker herum.

 

Wutschnaubend stieß er immer wieder hervor:

 

"Gimmi green! Gimmi green!"

 

Und plötzlich sagte eine Stimme neben ihm:

 

"Guten morgen, Hans Finkenschlag! Ich bin eine Fee und zu dir gekommen, weil Du der schlechtgelaunteste und unglücklichste Mensch auf der Welt bist..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Angeln

 

Wenn Du oft im Trüben fischst

und mal einen Schuh erwischst,

dann ist das doch kein Wunder.

Nimm 'nen Hammer, klopf ihn platt,

und denk, es ist ´ne Flunder.

 

 

 

 

Berufswahl

 

Noch zwei Tage vor meinem Abitur hatte ich überhaupt

keine Vorstellungen von meinem zukünftinge Leben.

 

Meine Eltern können bezeugen, daß ich nie ein

gläubiger Mensch war. In dieser großen Not jedoch

flehte ich zum Himmel und bat den Herrn um Hilfe.

Ehrlich gesagt hatte ich keine Hoffnung, daß Gott

reagieren würde; ich hatte alle Gebote mehrfach

gebrochen, - ja, ich möchte sogar sagen, daß ich die

Todsünden immer mit innerer Freude beging.

Kaum jedoch hatte ich meine Bitte um Hilfe bei der

Berufswahl vorgetragen, hörte ich eine gütige Stimme:

"Werde Priester der katholischen Kirche."

Sofort fiel mir das Zölibath ein und trotzig

entgegnete ich: "Da müßte mir schon das Glied

abfallen."

Im selben Augenblick vollzog sich an mir - Gott sei

dank schmerzlos und unblutig - dieses Wunder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Mittagsschlaf

 

Kaum habe ich mich hingelegt, ist es vorbei mit dem

geistigen Müßiggang. Da ich noch nicht zu Mittag

gegessen habe, knurrt mein Magen mich beim ersten

Wegdösen böse an, und ich glaube, es krallen sich

Raubtierpranken in meinen Bauch. Und ich muß

versuchen, dieses Raubtier mit den Vorstellungen der

leckersten Fleischgerichte zu beruhigen. Diesmal

scheint es eine Katze zu sein, denn das innere Grummeln

verwandelt sich erst in ein sanftes Schnurren,

als ich in Gedanken eine Maus verschlucke.

Mir wird ein wenig übel, und ich muß würgen.

Scheiße - keine Schüssel neben der Couch. Also

wieder mal schlucken. Ah - geschafft. - - -

 

Steckt der Zeitgeist in einer Flasche oder in der

Wunderlampe?? Und ist seine Macht abhängig vom

Ölpreis? Kann er aus einem Altglas-Container

wieder heraus oder wird er mitgeschmolzen und es

folgt ein neuer? Ist er gut oder böse und

gentechnologischer Manipulation unterworfen?

Glaubt er an die Bibel und gilt für ihn: Seid

fruchtbar und mehret euch? An Nietzsche hält er

sich sicher nicht. Kann er gar nicht. Weil der die

Ehe zum Fort- und Hinaufpflanzen propagiert. Und ich

kenne keinen Menschen, dem ich es zumuten möchte,

den Zeitgeist zu ehelichen. Außerdem weiß ich

nicht, ob er weiblich oder männlich ist oder

aussieht wie die Sphinx...

Noch 'ne Maus für die Katz. - Alles für die Katz? -

Ich denke gar nicht dran!

Eine für dich und eine für mich. Und dann

nimmst Du das Wollknäuel, oder paare dich mit dem

Zeitgeist. - Was? - Weiß ich doch nicht, wie

du in die Flasche kommen sollst, du blödes Vieh!

Warte doch, bis er auf's Klo muß. Dann kommt er

raus.

 

Wenn ich nur noch wüßte, was der Koran sagt... dann

könnte ich mir überlegen, was besser zu dem

Zeitgeist paßt. - Warum hat die Stiftung Warrentest

eigentlich noch keine Religionen und Philosophien

untersucht?? So schwer kann es doch nicht sein, ein

Preis-Leistungs-Verhältnis festzusetzen. Ich würde

diejenige wählen, in der ich meine Seele verkaufen

könnte - nach dem Tode, versteht sich, und unter

der Bedingung, daß ich für den Erlös keine

Mehrwertsteuer zahlen muß. Schrecklich, daß der

Staat überall mitverdienen will. Jetzt versucht er

doch glatt, die Steuerreform dadurch zu finanzieren,

daß er uns im voraus Vergnügungssteuer

abzieht für das himmlische Leben. - Ich weiß nicht,

ob ich zahlen soll. - Weil ich ja nicht weiß, wann

ich abtrete, kann ich schlecht abschätzen, wie

es um die Auslieferungsbestimmungen zwischen

Himmel und BRD stehen wird. Es klingelt. Aber ich

mache nicht auf. Nein, heute nicht. -

 

Das nützt mir gar nichts. Da steht der Papst schon

neben meinem Bett. "Na prima", denke ich. "Den

kann ich fragen wegen der vorgezogenen

himmlischen Vergnügungssteuer." Er meint, daß er

mit dem Herrn reden könnte; wenn ich nicht

ausgeliefert werden wolle, müsse ich ihm jedoch

auch einen Gefallen tun. - Ich gebe zu, daß ich

käuflich bin, schütze aber Aids vor. "Das macht gar

nichts". Er kriecht zu mir unter die Bettdecke und

drückt mir seinen nach eigenen Angaben

"heilsamen Hintern" über den Schwanz. "Danach

bist du gesund", meint er. "Bei den zentralafrikanischen Affen und den Schwulen in den USA hat das auch geklappt." Nach dem Akt muß ich ihm einen

runterholen, und noch einen und noch einen. Und ich

muß alles auffangen.

 

Sein Vorhaben, meint Gottes Vertreter, dürfe auf gar

keinen Fall im Sande verlaufen. - Dann höre ich

in der Tagesschau, daß der Papst zur Steigerung

der Geburtenrate Spermaproben in der Dritten Welt

verteilen will.

"Im Augenblick läßt er sich von B. Eckmann in Kassel

wichsen", sagt der Nachrichtensprecher. "Drei

Tage will er dort verbringen."

 

Ich bekomme einen leichten Schwächeanfall. - Dann klingelt dasTelefon.

Meine Mutter sagt mir, daß sie sehr stolz auf mich

ist und fragt, ob ich nicht ein paar klitzekleine

Spermien abzwacken könnte. Ich werfe ein, daß sie

doch gar nicht mehr schwanger werden kann. Aber sie

will es auch nur für ihre Enkeltöchter. Ich sage

schnell zu, weil der Papst schon wieder schreit.

 

Und dann höre ich den Nachrichtensprecher von 20000

verhungernden Kindern reden. Na ja - ich werde in

den nächsten Tagen auch kräftig abnehmen.